Kathy Acker: Meine Mutter Dämonologie (17.12., 15 Uhr)

Freitag, 17. Dezember, 15.00 bis 16.30 Uhr (Saal „Amalie Seidel“)
Eine Veranstaltung im Rahmen der Kritischen Literaturtage im ÖGB

Kathy Ackers Werke sind Klassiker der postmodernen Literatur.

Ausgehend von der Beziehung zwischen Colette Peignot und Georges Bataille, erzählt Meine Mutter: Dämonologie von den Verstrickungen einer Frau in die widersprüchlichen Impulse von Zuneigung und Einsamkeit: Zu Beginn ihres Lebens als Erwachsene gerät Laure in eine leidenschaftliche und alles verschlingende Affäre mit ihrem Gefährten B. Das lässt sie aber letztlich unbefriedigt, weil ihr die Notwendigkeit einer eigenen Identität – unabhängig von ihrem Geliebten – klar wird. Im Verlangen, zu entdecken, wer sie ist, begibt sie sich auf eine Reise der Selbstfindung: eine Odyssee in das Territorium ihrer Vergangenheit, in Erinnerungen und Phantasien ihrer Kindheit, in Zügellosigkeit und Hexerei.

Sie gilt immer noch als die einzig wahre Erbin William S. Burroughs. Ihre Arbeiten waren ebenso vielfältig und umfassten unterschiedlichste Textsorten. Die selbsternannte »Literaturterroristin« war der Inbegriff einer weiblich geprägten Punk-Literatur, die die Themengebiete Sexualität, Philosophie und Technologie produktiv aufnahm und in eigenständige literarische Arbeiten umwandelte. Ackers Werke, die von einer Haltung der Umschrift und der vorsätzlichen Piraterie geprägt sind, genießen zu Recht Kultstatus und spiegeln Geschlechter- und Gesellschaftsverhältnisse ebenso kritisch wie unterhaltsam.

Nachwort: Ines Freitag, Janina Jonas und Thomas Ballhausen
exquisite corpse 6
296 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-85286-201-9
€ 23.-  / sFr 35,50

Kathy Acker (1947-1997)
begann ihr wildes Leben als Tochter aus gutem Hause. Nach einem Ausflug in die Welt der US-amerikanischen Universitäten begann sie ihre literarische Karriere im New Yorker Underground der 1970er-Jahre und erlangte in nicht ganz drei Jahrzehnten einzigartigen Schaffens schließlich Weltruhm. Meine Mutter: Dämonologie zählt zu ihrem Spätwerk, in dem alle für Acker zentralen Themen nochmals aufgegriffen werden.

exquisite corpse
Schriften zu Moderen, Ästhetik und Intermedialität
Ausgehend von der Beschäftigung mit dem Außergewöhlichen, Transgressiven und Monströsen in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen wird hier ein einzigartiger publizistischer Raum geschaffen, der die Aktualisierung und Formulierung von ästhetischen und politischen Fragestellungen erlaubt. Sowohl wissenschaftliche Werke als auch ausgewählte Primärliteratur finden in dieser Reihe ihren Platz und bieten einer breiten Leser/innen/schaft die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit brisanten und wesentlichen Problematiken und Forschungsfeldern. DIe Reihe wird, mit Unterstützung eines internationalen beratenden Boards junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen, von Thomas Ballhausen herausgegeben.

Maria Hörtner: Die unsichtbaren Kämpferinnen (17.12., 15 Uhr)

Frauen im bewaffneten Konflikt in Kolumbien zwischen Gleichberechtigung und Diskriminierung

Freitag, 17. Dezember, 15.00 bis 16.30 Uhr
Eine Veranstaltung im Rahmen der Kritischen Literaturtage im ÖGB

Wenig beachtet wird, dass am bewaffneten Konflikt in Kolumbien auch Frauen beteiligt sind – nicht nur als Opfer, sondern ebenso als Kämpferinnen, von staatlichen Sicherheitskräften über rechte paramilitärische Organisationen bis hin zu den diversen Guerilla-Gruppierungen. Bei den FARC machen sie bis zu 40 Prozent der Kampfeinheiten aus. Diese »Unsichtbarkeit« beruht auf traditionellen Geschlechterkonzeptionen. Anhand von Interviews untersucht Maria Hörtner die Stellung von Frauen innerhalb der bewaffneten Gruppierungen wie nach ihrem Austritt aus denselben, geht auf Fragen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und Intimität ein, arbeitet Elemente von Gleichheit und geschlechtsspezifischer Diskriminierung heraus und skizziert die Situation ehemaliger Kombattantinnen nach ihrer Rückkehr in das zivile Leben.

Maria Hörtner:
1981, Studium der Soziologie an der Universität Wien mit den Schwerpunkten feministische Theorien und politische Prozesse in Lateinamerika sowie Konfliktforschung. Diverse Studien-und Forschungsaufenthalte in Kolumbien.

“Die Freiheit kam im Mai” von Iakovos Kambanellis (17.12., 18 Uhr)

Iakovos Kambanellis
Die Freiheit kam im Mal
Zum ersten Mal aus dem Griechischen von Elena Strubakis übersetzt

mit der CD

Mauthausen Cantata
Text: Iakovos Kambanellis
Komposition: Mikis Theodorakis
Gesang: Maria Farantouri
Nachwort: Simon Wiesental

Freitag, 17. Dezember, 18:00 bis 20.00 Uhr

Elena Strubakis, die Übersetzerin des Werkes, und ein Sprecher lesen aus dem Buch, dazwischen Aufführung der „Mauthausen Cantata“. Nach einer Pause Präsentation von griechischen Widerstandsliedern. Olga Kessaris (Gesang) und Nikolaos Papadoupoulos (Klavier), Ioannis Zelepos (Buzuki) sind die idealen Interpreten.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kritischen Literaturtage

45 Jahre nach dem Erscheinen des Werkes von Iakovos Kambanellis über Mauthausen in griechischer Sprache liegt nun sein Werk zum ersten Mal in deutscher Sprache vor; einem Teil der Auflage ist die CD „Mauthausen Cantata“ beigelegt (Text: Iakovos Kambanellis; Musik: Mikis Theodorakis; Nachwort: Simon Wiesenthal). CD und Buch gehören zusammen; das Buch ist der Schlüssel zur Cantata. Die CD beinhaltet die Aufnahme aus dem ehemaligen KZ Mauthausen, als Farantouri dort sang, Theodorakis dirigierte und Kambanellis anwesend war. Diese CD ist nun im Handel nur zusammen mit dem Buch erhältlich.

Iakovos Kambanellis ist der bekannteste Bühnenautor Griechenlands. Er lebt 88jährig in Athen. Kambanellis war Häftling im KZ Mauthausen. Er widmet ca. die Hälfte seines Werkes dem Lager nach seiner  Befreiung, wo noch monatelang Häftlinge lebten, weil sie nicht reisefähig waren, und schildert die Kontakte der ehemaligen Häftlinge mit den Bauern und Dorfbewohnern. Das kommt in der deutschsprachigen KZ-Literatur höchstens am Rande vor. In Rückblicken lässt er die Zeit, als Mauthausen ein SS-Konzentrationslager war, aufleben. Weiters schildert er das Leben der Griechen in Mauthausen und schließlich die Liebe zwischen ihm und Jannina, die auch Häftling gewesen war, nach der Befreiung. Liebe zweier ehemaliger KZ-Häftlinge im befreiten Lager gestaltet sich anders als Liebe unter „normalen“ Umständen. – Das alles berührt ganz außerordentlich, weil es mit der Kraft eines Dichters verfasst ist.

Nun verfügt auch das deutschsprachige Publikum über das Buch, das „hinter“ der „Mauthausen-Cantata“ steht. In ihm wird in Prosa dargelegt, was in der Cantata lyrisch ausgedrückt ist.

Die Freiheit kam im Mai (pdf)

“Common Wealth” von Michael Hardt und Antonio Negri” (17.12., 13.30 Uhr)

grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte präsentiert:

Freitag, 17. Dezember, 13.30 bis 15.00 Uhr

“Common Wealth” von Michael Hardt und Antonio Negri” mit dt. Übersetzer Thomas Atzert

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kritischen Literaturtage im ÖGB

Ein Denken in Bewegung ist das richtige Denken, heißt’s sinngemäß bei Brecht. Ein solches Denken in Bewegung führen Toni Negri und Michael Hardt vor Augen, wenn sie ihre Kritik der bestehenden Verhältnisse aus Ausbeutung, Unterdrückung und Eigentum formulieren. Mit Common Wealth (dt. Übers. im Campus Verlag, 2010) liegt nun der dritte Band einer Reihe vor, die vor zehn Jahren mit Empire (dt. 2002) begann und mit Multitude (dt. 2004) ihre Fortsetzung fand. Während in den ersten beiden Bände der Trilogie Fragen nach den Passagen der politischen Herrschaft und der kapitalistischen Produktionsweise allgemein sowie nach den Veränderungen in der Zusammensetzung der Klassen im Zentrum standen, sind es in Common Wealth nicht weniger als das Problem einer Überwindung des Kapitalismus und die Frage des Kommunismus, die hier in neuen Perspektiven diskutiert werden. Denken in Bewegung heißt darum zuallererst, der «wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt», wie Marx den Kommunismus definiert hat, nachzugehen. Die Buchvorstellung mit dem Übersetzer Thomas Atzert will dazu beitragen, dieses Denken, das Negris und Hardts politische Theorie im Kern ausmacht, zu diskutieren.