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Programm-Detailbeschreibung

Do., 15.5.: „Roque Dalton, erschießen wir die Nacht!“

roque-plakat-131114_webKriLit’14 -Opener
Donnerstag 15. Mai, 20 Uhr
Admiral Kino 1070, Burgg.119
EINTRITT FREI(E SPENDE)!

„Roque Dalton, erschießen wir die Nacht!“

Dokumentarfilm von Tina Leisch |
Österreich, El Salvador, Cuba 2013 | 86 min

Roque Dalton (1935-1975) ist der wichtigste Dichter El Salvadors, der Bertolt Brecht oder Jura Soyfer Mittelamerikas, sein Leben ein Abenteuerroman, seine Dichtung der britzelnde Funkenschlag zwischen politischer Utopie und Sinnlichkeit, zwischen revolutionärer Überzeugung und Lust an der Häresie.
Von den salvadorenischen Diktaturen wegen subversiver Tätigkeit als revolutionärer Schriftsteller und Agitator zum Tode verurteilt, gelang es ihm zweimal seiner Hinrichtung zu entkommen. Das erste Mal wurde der Diktator Lemus gestürzt und es gab eine Amnestie, das zweite Mal riss ein Erdbeben einen Riss in die Gefängniszelle, durch den Roque Dalton sich in die Freiheit graben konnte.
Er lebte in Mexiko, Prag und vor allem Kuba im Exil, er bereiste ganz
Lateinamerika, Europa, China und Korea. Er half mit, eine der ersten
Guerillaorganisationen seines Landes auf die Beine zu stellen, das ERP
(Revolutionäres Volksheer) und wurde von einer militaristischen Fraktion
seiner eigenen Organisation unter bis heute nicht geklärten Umständen
ermordet.
Er war Pionier einer linken Geschichtsschreibung und Kulturforschung
seines Landes, er machte emphatisch Gebrauch von „Guanakismen“ (also
salvadorenischen Eigenarten des Spanischen) und benutzte die Sprache der
Straße und der Wirtshäuser, den Jargon der Bordelle und Gefängnisse. Er
beschoss eine sich globalisierende Popkultur mit antikapitalistischen
Pointen und kritisierte kommunistische Befreiungskonzepte mit der fein
geschliffenen Machete seines Witzes.

Regie: Tina Leisch
Drehbuch & Konzept: Tina Leisch & Erich Hackl
Kamera: Gerald Kerkletz
Schnitt: Karina Ressler
Ton: Klaus Kellermann/Evelio Gay Salinas/ Marcos Menjivar
Animationen & Graphik: Nick Prokesch
Produzentin: Ursula Wolschlager Witcraft Szenario OG
Koproduktion: Kinoki Wien, ICAIC Havanna
Homepage: roquedalton.witcraft.at

Sa., 17.5.: „Stimmen gegen den Krieg“

Anna_Robert_PohlandKriLit’14 – Abendveranstaltung:
Samstag, 17. Mai 2014, 20.30 Uhr
Weinhaus Sittl (16., Lerchenfelder Gürtel 51)

„Stimmen gegen den krieg“ – Chor Gegenstimmen und Lesung

Dieter Braeg und Maren Rahmann lesen aus
„Die Pöhlands im Krieg – Briefe einer sozialdemokratischen Bremer Arbeiterfamilie aus dem Ersten Weltkrieg.“

Die Briefe stammen aus dem Nachlass der Eheleute Anna und Robert Pöhland aus Bremen. Seit Robert Pöhland im Frühjahr 1915 eingezogen und an die Front in Frankreich geschickt worden war, schrieben sich die beiden fast täglich, bis er im Oktober 1916 fiel. Die Korrespondenz ist proletarische Widerstandsliteratur gegen den Krieg und schildert eindrucksvoll den Alltag mit all seinen Gefahren an der Front und seinen Nöten in der Heimat. Sie berührt aber auch Themen wie Kunst und Literatur, humane Kindererziehung, Gleichberechtigung von Frau und Mann und sozialistische Zukunftsvorstellungen. Sie vermittelt ein lebendiges Bild vom geistigen und emotionalen Reichtum, vom Leben und Denken einer aufgeklärten und politisch bewussten Arbeiterfamilie im Ersten Weltkrieg und in der Vorkriegszeit.

lesung SUSANNE GREGOR und SINA TAHAYORI

sa. 9.11. 17 uhr FANIA, yppengasse 1/ecke yppenplatz

susanne gregor, geboren 1981 in zilina, slowakei, lebt seit 1990 in
wien. 2010 erhielt sie den hauptpreis der exil-literaturpreise. sie ist
mitglied der exil-autorInnen-werkstatt. 2011 legte susanne gregor ihren
aufsehen erregenden debütroman kein eigener ort in der edition exil vor,
für den sie 2012 auch für den ALPHA-literaturpeis nominiert war. der
roman erzählt in poetisch dichter, rhythmisch zwingender sprache die
geschichte einer jungen frau im spannungsfeld zwischen liebe und
abhängigkeit, die äußere und innere grenzen überschreitet. Susanne
gregor arbeitet derzeit an zwei romanprojekten.

sina tahayori wurde in shiraz, im iran geboren und lebt seit den
1980er-jahren in wien. exil-literaturpreis 2004, seither mitglied der
exil-autorInnenwerkstatt. 2009 stipendiat des literarischen colloquiums
berlin, staatssdtipendium für literatur des bm:ukk 2009/2010.

sein debutband orientExtrem (edition exil) erzählt geschichten vom
äußeren rand der gesellschaft, von individualisten, die um jeden preis
authentisch bleiben wollen; geschichten von prinzessin soraya, dem
damenimitator und seinem bewunderer, der gern mehr von ihr wissen will;
vom taxifahrer, der einen halbtoten mann in seinem wagen mitnimmt, und
in seine aufregende biografie gerät; von omid, der mit dem tänzer
fabrice zusammenlebt, und sich in einen tanzkurs einschreibt…
geschichten vom orient in wien.
schräg und wahr zugleich, lyrisch und stark. eine entdeckung!
(BUCHKULTUR 137/august, september 2011)

lesung EKATERINA HEIDER und SEHER ÇAKIR

fr. 8.11. 16 uhr FANIA, yppeng. 1/ecke yppenplatz

seher cakir wurde in istanbul geboren und wuchs in wien auf.
exil-literaturpreis 2005, seither mitglied der exil-autorInnenwerkstatt.
2009 erfolgte ihr viel beachtetes posadebut mit zitronenkuchen für die
56. frau (edition exil). 2012 legte sie mit ich bin das festland ihren
zweiten erzählungsband vor. seher cakirs geschichten sind poetisch,
erotisch, metaphernreich, mitunter auch humorvoll. (…) auch wenn die
geborene türkin kaum der orientalisch-üppigen erzähltradition huldigt,
sind ihre erzählungen überaus vielschichtig, leben oft von mehreren
zeitebenen, vermischen erinnerung und träume mit dem tatsächlichen
geschehen und lesen sich dennoch flüssig und spannend. (ditta rudle in
BUCHKULTUR 144, okt/nov. 2012)

ekaterina heider, geboren 1990 in irkutsk, lebt seit 2001 in österreich.
exil-literaturpreis 2012, 2013 veröffentlicht sie mit meine schöne
schwester in die edition exil ihren ersten kurzgeschichtenband. sie
erzählt prägnant, knapp und scheinbar kühl geschichten vom verlust der
beziehung des ichs zu sich selbst, von der liebe, von konträren lebens-
und denkentwürfen, vom warten, wünschen, von langeweile und begehren und
all das in einer atemlosen sprache, die treffender nicht sein könnte.

Dieter Braeg „Wilder Streik – das ist Revolution“

Wilder StreikSamstag 9. November, 17:30 Uhr
AU, 1160, Brunneng. 76

Dieter Braeg „Wilder Streik – das ist Revolution“
Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. Mit Film.

diebuchmacherei.de

„Der Kampf ist mehr als Geschichte“
Vom 13. bis 17. August des Jahres 1973 legten bis 2.000 Arbeiter_innen in der Firma Pierburg in Neuss ohne gewerkschaftliche Unterstützung die Arbeit nieder. Als „wilder“ Streik war dies nach bundesdeutschem Recht ein krimineller Akt. Für die migrantischen Arbeiterinnen, die den Streik initiierten, war es hingegen der einzige Weg, die ihnen vorenthaltenen Rechte einzufordern und gegen eine doppelte Lohndiskriminierung als Frauen und Migrantinnen zu protestierten. Die kompromisslose Haltung des autoritär-patriarchalen Unternehmers Alfred Pierburg und das brutale Vorgehen der Polizei gegen die streikenden Frauen konnten nicht verhindern, dass er zu einem der erfolgreichsten Streiks der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte wurde – nicht nur, weil innerhalb von fünf Tagen nahezu alle Forderungen durchgesetzt werden konnten. Das eigentlich Bemerkenswerte war die übergreifende Solidarisierung innerhalb der Belegschaft, die sich zu 70 % aus migrantischen und zu 30 % aus deutschen Arbeitern und vor allem Arbeiterinnen zusammensetzte. Der Streik bei Pierburg wurde zu einem international bekannten Symbol der Solidarität als Basis für einen erfolgreichen Arbeitskampf, geriet jedoch im Zuge voranschreitender Neoliberalisierung in Vergessenheit.

Das Wissen um den Streik bei Pierburg wieder in Erinnerung zu bringen, macht die große Bedeutung der von Dieter Braeg herausgegebenen Materialien-Sammlung aus. (aus: analyse & kritik)